Baustil

einheitlicher, spätgotischer Bau um 1490/1500, Burghauser-Braunauer Bauschule, aus Backstein mit Kalktuffwerkstücken und Strebepfeilern. Westturm und Vorhallengewölbe nach Brand um 1850 erneuert; letzte Renovierung 1982. Vollständige Sanierung 2004 - 2006.

Portal

gotisches Gewändeportal, darüber gemalter Apostelleuchter, Türe gotisch mit originalen Beschlägen und Riegelkorb, innen Brandreste von 1848.

Apostelleuchter

gemalt, Hand in rundem Rahmen, gotisch.

Einrichtung

von Johann Baptist Modler und seinen Söhnen, insbesondere Balthasar, 1758, 1763/64.

Fenster

zum Teil mit ursprünglichem Maßwerk und mundgeblasenen Butzenscheiben.

Hochaltar

Glanzstück in Form, Lichtführung und Plastik 1758, Viersäulenaufbau aus Stuckmarmor, dazwischen räumliche Grotte mit roten und gelben Farbfenstern (Vorbild für die modernen Fenster in Ruhstorf von Markus Prachensky) und den sieben schlafenden Jünglingen (wahrscheinlich von Balthasar Modler), im Gewölbe der Grotte farbige Putte mit Siegeskranz, Bekrönung: Symbol der Dreifaltigkeit in Strahlen und Wolken zwischen den alten Kirchenpatronen Peter und Paul. Interessant ist die Verwendung von Muschelschalen, eine wörtliche »Übersetzung« des Stils des Altars, Rokoko, in die Gestaltung (Rocaille-Muschel).

Römischer Altar

unterhalb der Empore, lange Zeit als Weihwasserbecken verwendet. Unterteil mit Reliefen von Menschen und Reste der Weiheinschriften. Mittelteil: 4 Masken an den Ecken. Oberteil: Kurze Säule oder Trommel mit Ornamenten.

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Ein Weg mit den Kreuzen unserer Zeit
Einen außergewöhnlichen Kreuzweg hat neuerdings die Pfarrei Ruhstorf: Er stellt nicht den Leidensweg Christi dar, sondern aktuelle Themen und Probleme, die zum Nachdenken anregen sollen. Der Kreuzweg entstand im Juni 2007 und wurde von den Pfadfindern im Rahmen der Aktion „3 Tage Zeit für Helden“ gestaltet. Hilfestellung bei der Gestaltung gab die Malerin Elisabeth Huber aus Neudöbl. Der Kreuzweg beginnt am Ende der Römerstraße und führt bis zur Siebenschläferkirche in Rotthof. Er hat insgesamt 14 Stationen. Aber diese widmen sich nicht dem traditionellen Thema, dem Leiden Christi, sondern sie „wollen die Kreuze unserer Zeit in den Blick nehmen“, wie Ruhstorfs Pfarrer Andreas Artinger ihn beschreibt. Diese Bilder beschäftigen sich mit heutigen Missständen, Schwierigkeiten und Ausweglosigkeiten, zum Beispiel mit dem Zusammenleben der Menschen in Station acht oder Station neun mit dem Titel „Frieden stiften“. Aber auch Themen wie Gesundheit (Station zwei: „Lebenskraft entfalten“) und Umwelt (Station zwölf: „Die Schöpfung achten“) finden dort ihren Platz. In einem Informationsheft über den Kreuzweg der Pfarrei Ruhstorf, das nach Ostern im Pfarramt erhältlich ist, wird die Station „Frieden stiften“ (siehe Bild) wie folgt beschrieben: „Gott hat uns das Leben geschenkt, um miteinander diese Welt, in der es noch Vogelgezwitscher, eine herzerfreuende Farbenpracht und vor allem Liebe gibt, so zu gestalten, dass Frieden und ein erfülltes Leben möglich ist. Menschenverachtende Ideologien, Machtstreben, Habgier und Hass führen jedoch zu Konflikten im Zusammenleben von Menschen und Völkern. An der Erfindung und Herstellung von mörderischen Waffen arbeiten wir täglich.“

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Lexikon verrät:

Die Siebenschläfer waren ursprünglich zu acht

Serie zum Jubiläum - Nachschlagewerke geben Aufschluss über altsyrische Legende

von Hans Nöbauer Ruhstorf

250 Jahre wird der Siebenschläfer-Altar in der Rotthofer Siebenschläfer-Kapelle heuer alt. Ein Jubiläum, das gefeiert werden muss und wird. PNP-Mitarbeiter Hans Nöbauer hat alles Wissenswerte über die Ephesus-Jünger und die Rotthofer Kapelle zusammengestellt. Nöbauer durchforstete dafür auch historische Nachschlagewerke, um der Legende auf den Grund zu gehen. Das Ergebnis der Recherchen wird als Serie veröffentlicht. Die Siebenschläfer - seit Urzeiten ein

Mythos zwischen Legende, Dichtung und Wahrheit: Etwas Licht ins historische Dunkel bringen Aufzeichnungen in renommierten Nachschlagewerken wie dem „Brockhaus Conversations-Lexikon“ (13. Neuauflage/1885), dem „Lexikon für Theologie und Kirche“ (ältere Ausgabe) sowie dem „Lexikon der christlichen Ikonographie“ (Herder/1976).

Acht Jünglinge - sieben Hirten

„Aller guten Dinge sind acht“ - eine Redensart der Griechen aus der Epoche ihres Dichterkönigs Homer um 800 vor Christus. Aufgrund ihres eigentümlichen arithmetischen und geometrischen Verhältnisses stand nämlich speziell die Zahl acht bei den antiken Völkern in hohem Ansehen. Kein Wunder also, dass die früheste ausgeprägte Bezeugung der schlafenden Ephesus-Jünger in der syrischen Legende bis ins mittlere 5. Jahrhundert nach Christus zurückreicht. Namentliche Erwähnung finden in der Überlieferung erstmals die „acht Jünglinge“ Maximilianus, Jamblichus, Martellus, Dionysius, Johannes, Serapion, Exkustodianus und Antonius. Die „abendländische Fassung“ der altsyrischen Erzählung, die Bischof Gregor von Tours ins Lateinische übertrug und die später durch die Kreuzzüge große Verbreitung erfuhr, bezeichnet die „sieben Hirten“ Maximian, Malchus, Martinian, Dionysius, Johannes, Seraion und Constantinus bereits als „römische Märtyrer“. Varianten der Siebenschläfer-Legende finden sich im Islam (Koran/18. Sure „Die Höhle“) sowie bei den Kopten und Armeniern. Deren Inhalt gipfelt im Glaubenszeugnis für die Auferstehung des Fleisches. Die „Knaben“ - den Erzählungen nach „gläubige Hirten“ - seien demnach während der Decischen Christenverfolgung in eine Höhle am Berg Anchilas geflohen, dort 251 n. Chr. entdeckt und eingemauert worden, unter Kaiser Theodosius II. knapp 200 Jahre später wieder erwacht und kurz darauf für immer entschlafen - so der eigentliche Legenden-Kern. Dank ihres allzeit aktuellen „dogmatischen“ Interesses, aber auch wegen ihrer reizvollen Darstellung fanden die Siebenschläfer-Interpretationen im Morgen- wie im Abendland weiteste Verbreitung. Berichten verschiedene orientalische Sprachen von vier, fünf oder gar neun „Schläfern“, so benennen hauptsächlich griechische Fassungen die sieben „Ur-Jünglinge“ Achillides, Diomedes, Eugenios, Stephanus, Probatos, Sabbatos und Kyriakus („Lexikon der Namen und Heiligen“/Tyrolia-Verlag 1988).

Eine Zahl, die heilig ist 

Generell wird die Namensgebung seit Alters her durch die „heilige Zahl sieben“ bestimmt, die im christlichen Glauben sowohl beim Schöpfungsbericht als auch bei den Sakramenten herausragende Bedeutung besitzt. Merkwürdig ist die Beziehung der Heiligen zur Witterung: Während die „sieben Schläfer“ bei den Mohammedanern als Beschützer des Seewesens galten, verknüpft sich im Abendland vor allem in Deutschland mit den Ephesus-Jüngern die Bauernregel „Wie das Wetter am Siebenschläfertag, es sieben Wochen bleiben mag“. Wobei jedoch erneut eine Ungereimtheit über Ursprung und Verbreitung der Legende offenbar wird: So feiert die römische Kirche das Patrozinium der Ephesus-Jünger alljährlich am 27. Juni, die griechische hingegen am 4. August - und dazwischen liegen allein schon wieder fast sieben Wochen.

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Siebenschläfer-Recherche: Dritter – und letzter Teil!

Rotthofer Siebenschläfer – europaweit ein Unikum

Modler-Altar steht 250 Jahre – Aber: Kirche seit 1506 Peter und Paul geweiht – Bretagne: „Sept Saints“-Kapelle gibt Rätsel auf

Am „Siebenschläfertag“ (27. Juni) feiert der Rotthofer Modler-Altar 250. Geburtstag. Indes: Gewidmet wurde die Ruhstorfer Filialkirche bereits 1506 den Apostelfürsten Peter und Paul – niemals jedoch den sieben „Ephesus-Jüngern“. Andererseits: Das bretonische Pendant in Vieux Marché wurde 1703 zwar offiziell auf den Namen „Chapelle des Sept Saints“ („sieben Heilige“) getauft – von „sieben Schläfern“ („Sept Dormants“) ist dabei jedoch nirgends die Rede.
Redaktionelles „Abkupfern“ – ohne fundierte Eigen-Recherche – hat im Zeitalter touristisch geprägter Reiseliteratur Hochkonjunktur. Besonders hartnäckig wird dabei immer wieder die Nachricht von „europaweit lediglich zwei den Siebenschläfern geweihten Kirchen“ (in Rotthof und Vieux Marché) verbreitet – obwohl dies für das hiesige Modler-Ensemble nachweislich nicht zutrifft und Historikern gleichzeitig auch die bretonischen „Heiligen“ erhebliche Rätsel aufgeben. Die wissenschaftliche Literatur berichtet außerdem über zahlreiche weitere „Verehrungsstätten“ in Kleinasien, Nordafrika sowie ganz Europa – Fresken im Moskauer Kreml inklusive.
Älteste Darstellungs-Varianten zeigen die Jünglinge als (Schaf-)Hirten eng aneinandergekauert mit verschiedenen Schlafhaltungen in Höhlen liegend. Im westlichen Verbreitungsbereich erscheint dagegen auch die Einzel-Präsentation der Heiligen ohne Andeutung des Schlafes in stehender „Bet-Haltung“. Ausdrücklich als „Unikum“ (einzigartiges Beispiel) deklariert die Literatur den Modler’schen Stuckaltar in der „Kapelle von Rotthof“, wo die „sieben Schläfer“ mit (sommerlich-leichter) Soldatenkleidung in einer „imitierten Tropfsteinhöhle“ ruhen.
Die einzige dokumentierte Parallele zwischen den beiden Gotteshäusern in der Bretagne und Rotthof bildet eine „blühende Siebenschläfer-Wallfahrt“ im 18. Jahrhundert – gleichzeitig auch Zeitpunkt des Kirchenbaues in Vieux-Marché (1701-1703) sowie einer Neugestaltung der Rotthofer Verehrungsstätte mit Siebenschläfer-Gemälde (1690) und –Altar (1758).
Ins „Dunkel romanisch-gotischer Epochen“ weit vor 1700 reichen hingegen die ziemlich archaisch wirkenden „Sept Saints“-Plastiken von Vieux Marché zurück: Ein wahrer „Stil-Mix“ unterschiedlichster Darstellungsformen, über deren eigentlichen Ursprung selbst bretonische Heimatforscher nur „Mutmaßungen“ anstellen können – verlässliche historische Dokumente nämlich „glatte Fehlanzeige“.
Die „sieben (Original-)Heiligen“ ruhen außerdem keineswegs – wie deren geschnitzte „Nachfahren“ neueren Datums – über dem Hauptaltar, sondern vielmehr auf einem unbeleuchteten Dolmen (keltischer Kultstein) in einer Außen-Krypta (Felsenhöhle) unterhalb des südöstlichen Kirchen-Transepts (rückwärtiges Querhaus).

Nach Auffassung lokaler Historiker könnten die „Sept Saints“ daher ursprünglich sieben allseits verehrte irische Wanderprediger („Missionare“) der ersten „Christianisierungs-Epoche“ (um 700 n. Chr.) verkörpern, die tausend Jahre später während einer wahren „Siebenschläfer-Euphorie“ – ähnlich wie die sieben Köpfe auf zwei römischen Grabsteinen in Rotthof – von Gläubigen als „Ephesus-Jünger“ gedeutet worden seien.
Auch die in Reise- und Kirchenführern immer wieder erwähnte „gemeinsame christlich-islamische Wallfahrt zur Sept-Saints-Kapelle“, die vom Pariser Orientalogen Professor Massignon mit Unterstützung von Staatspräsident Charles de Gaulle quasi „zur Verständigung der Glaubensgemeinschaften“ während des Algerien-Krieges 1954 initiiert wurde, entbehrt in der Praxis einer tieferen „bi-konfessionellen“ Kooperation, wie eine Ruhstorfer Gemeinderats-Delegation zur Jahrtausendwende direkt vor Ort in Vieux Marché selbst miterleben konnte.
Beim gutbesuchten Festgottesdienst „Pardon des Sept-Saints“ wurde das christliche Gotteshaus nämlich von keinem islamischen Repräsentanten betreten, die später ihrerseits – etwa 300 Meter von der Kirche entfernt – an der

sogenannten „Ephesus-Quelle“ unter freiem Himmel in kleinem Kreis die 18. Koran-Sure („Die Höhle“) vortrugen, wofür sich – außer den Ruhstorfer Gästen – allerdings nur wenige heimische Katholiken interessierten.
Kopfweh, Fieber, Schlaflosigkeit: Auf Wallfahrten und Bittgängen wurden die „Ephesus-Jünger“ während früherer Jahrhunderte vom „einfachen Volk“ – statt unerschwinglich teurer Arztbesuche – quasi als „kostenlose Nothelfer“ gegen mannigfaltige körperliche Gebrechen angerufen. Im Einzelfall mag der „feste Glaube“ vielleicht Schmerzen gelindert haben – Votivgaben über erflehte „Heilerfolge“ fehlen hingegen an „Siebenschläfer-Orten“ gänzlich.
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Rotthof im Landkreis Passau - Januar 2014