Grabinschrift des L. Veidius Aprilis aus Rotthof, Gemeinde Ruhstorf im Landkreis Passau

1. Die Fundumstände

Die als Siebenschläferkirche bekannte Rotthofer Nebenkirche "Sankt Peter und Paul" auf dem Hügel südwestlich von Ruhstorf an der Rott, wurde in ihrer jetzigen Gestalt zwischen 1484 und 1506 neu errichtet. Außergewöhnlich an dem im Jahre 1506 geweihten gotischen Kirchenbau sind mehrere römische Grab- und Weihesteine, die anscheinend im Zuge jener Baumaßnahme hier verbaut bzw. integriert wurden.

Es sind dies vermutlich die Überreste eines oder mehrerer römischer Friedhöfe und Heiligtümer, die etwa vom 2. bis 4. Jahrhundert n. Chr. zu Gutshöfen (villae rusticae) dieser Region gehört haben. Die lokale Herkunft der genannten Steindenkmale konnte in den letzten Jahren auch durch mittelkaiserzeitliche Streufunde bekräftigt werden. Neueste Begehungsspuren und Sondierungsgrabungen, die im Auftrag bzw. von der Kreisarchäologie Passau in den 1990er Jahren durchgeführt wurden, belegen zudem, dass im hügligen Gelände links der Rott weitere römische Gehöfte bei Rottersham, Eholfing und Sulzbach gestanden haben müssen. Insbesondere das nahe liegende Eholfing bietet, mit seinen ebenfalls in der Ortskirche eingemauerten Römersteinen eine gute Parallele zu Rotthof.

Neben den drei Steindenkmälern mit Inschriften vom Eingang bzw. Kircheninnern und den zwei bekannten Protomenreliefs mit den sieben Gestalten an der südlichen Außenwand, beherbergte die Siebenschläferkirche auch einen, soweit von außen erkennbar, ca. 95 cm hohen und 50 cm breiten Steinblock, der gleich rechts von der kleinen Eingangshalle und knapp über der Erdoberfläche, in horizontaler Lage vermauert war. Seine sichtbare, unverputzte Seite zeigte eine Reliefdarstellung in Form eines doppelhenkeligen Gefäßes, aus dem ein Rankenornament mit herzförmigen Blättern wuchs. Ansonsten ließ der Stein wegen seiner Lage zwangsläufig die Frage nach einer möglichen Inschrift auf einer der verborgenen Seiten offen.

Im Frühsommer 2004 boten uns Drainagearbeiten an den Fundamenten, die im Zuge einer Großsanierung der Kirche durchgeführt werden musste, die einzigartige Chance zur Bergung des Denkmals und somit die Möglichkeit zur Klärung dieses Rätsels. Die Freilegung des Kalksteinquaders erfolgte am 15. Juli 2004. Nachdem der angrenzende Boden bis in eine Tiefe von ca. 30 cm abgetragen worden war, konnte mit der Loslösung des Stücks begonnen werden. Der Stein lag auf einer einreihigen Ziegelschicht, die für eine nahezu waagerechte Lage sorgte.

In der Folge musste diese Auflage entfernt werden, um dann nach und nach, in relativ mühevoller Kleinarbeit den ca. 65 cm tiefen Steinblock unbeschadet aus seiner Mörtelverankerung ziehen zu können. In der Folge stellte sich heraus, dass die nach oben gerichtete Seite tatsächlich mit einer Inschrift versehen war. Es handelt sich dabei um den fast vollständig erhaltenen Text eines Grabmals. Die Schriftfläche, deren Oberteil abgeschlagen ist, wird von einer profilierten Leiste umrahmt und weist mehrere alte Risse bzw. Aufprallverletzungen auf. Die linke Schmalseite des Steins besitzt ebenso wie die Rechte ein Rankenmotiv mit Blättern, das hier einem sichelartigen Gebilde entsprießt.

Ferner kam im westlichen Fundamentabschnitt der Kirche ein neues Fragment eines römischen Steinaltars zu Tage. Es handelt sich um das Oberteil eines Denkmals mit einer Resthöhe von ca. 52 cm. Auf der knapp 60 cm breiten Flachseite, die mit einer profilierten Zierleiste umfasst ist, sind allerdings keine Schriftzeichen oder Reliefzierden sichtbar. Dagegen sind auf den gleichfalls umrahmten Seitenbahnen links drei herzförmige Rankenblätter und rechts die Reste eines Kreises dargestellt.

Die neuen Steine, die in der Zweitverwendung als Baumaterial dienten, zeugen einmal mehr davon, dass die Steindenkmale aus einem nahen römischen Bestattungsplatz stammen. Denn ein Transport der zentnerschweren Steinblöcke über mehrere Kilometer, z. B. aus der Römersiedlung von Pocking, wäre sowohl technisch wie auch finanziell eine Nummer zu groß für die kleine Rotthofer Kirche gewesen.

(Walter Wandling, 2006)

2. Die Inschrift

Die in der Fundamentmauer der Siebenschläferkirche von Rotthof gefundene Grabara besteht aus einem inzwischen vielfach "rissigen" Kalkstein, der oben links und unten auf der rechten Seite schwer beschädigt ist. Er ist etwa 119 cm hoch, im zurückgesetzten Schaft um 59 cm breit sowie 48-49 cm tief; die zerstörte Grundfläche des Sockels kann man auf etwa 66x52 cm rekonstruieren, sie verjüngt sich zum Schaft in fünf Stufen von insgesamt 32 cm Höhe. Die Oberseite und die Rückseite sind gepickt, und in der Mitte der Oberseite befindet sich ein Dübelloch, das der Befestigung eines Aufsatzes diente.

Auf der linken und rechten Seite findet man stark stilisierte Reliefs, die ihrer steifen Machart zufolge eher dem dritten, als dem zweiten Jahrhundert n. Chr. entstammen.

Auf der rechten Seite ist eine zu zweit Kreisbögen geformte Doppelranke dargestellt, die aus einem zweihenkligen Krater aufsteigt und oben in (teils gerollte) Triebe endet, während die beiden Ranken auf der linken Seite aus einem dicken Stamm herauswachsen (?), der mit einer waagerechten Mondsichel auf unklare Weise verbunden ist. Die Blätter gleichen eher solchen vom Efeu als vom Wein. Der untere, 16 bis 18 cm hohe Abschnitt beider Seitenbilder wird links, rechts und unten durch ein Karniesprofil eingerahmt.

Der Text lautet:

L (ucius) Veidius / Aprilis sibi / et Anchario / Tittuloni et (?) / Veid(i)ae Muta/tae parent (ibus), Vei/diae Breucion(i) / con(iugi), Quietae fil(iae) / obi (tae) an (norum) XXV / v(ivus) f(ecit).

Das heißt auf deutsch:

Lucius Veidius Aprilis hat für sich und für Ancharius Tittulo und Veidia Mutata, (seine) Eltern, Veidia Breucio, (seine) Ehefrau, Quieta (seine) Tochter, gestorben mit 25 Jahren, als Lebender (dieses Grabmal) gemacht.

(Hartmut Wolff, 2006)

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400 v. Chr. Spuren eines Volkes

Die Kelten kommen aus dem Inneren Asiens und besiedeln das Land. Die Darstellung der Augen und der Arme auf den Siebenschläferreliefs zeigt die typische Form der Kunst dieses weitverstreuten Volkes, zu dem ebenso die Galater der Bibel wie die Bewohner Frankreichs gehören und deren Kultur sich am besten in der Bretagne und in Irland bis heute erhalten hat.

Am Unterlauf des Inns siedelten die Sevaken mit ihrem Stammeshäuptling . Sie müssen sich im Laufe des 2. Jahrh. v. Chr. dem Königreich der Noriker eingliedern lassen, deren Reich mit der Hauptstadt am Magdalenenberg b. Klagenfurt vom Inn bis etwa Wien und Slovenien reicht.

15 v. Chr. Krieg und Besatzung

Die Stiefsöhne des römischen Kaisers Augustus, Tiberius und Drusus, erobern in einem gnadenlosen Krieg das Land bis zur Donau, besetzen es militärisch und richten die Provinz Rätien ein.

Auch Noricum muss sich fügen und wird bis 50 n. Chr. römische Provinz. Die Namen auf den römischen Grabsteinen sind Beweise für ein Verbleiben des Landes an der unteren Rott noch für etwa 200 Jahre bei Noricum, bis es durch eine Grenzbegradigung zum weniger entwickelten Rätien kommt. Die Namen auf dem Florastein, Ursus oder Successus, sind vor allem im südlichen Noricum an der heutigen österreichisch-jugoslawischen Grenze daheim. Der Besitzer einer bei Maria Plain bei Salzburg ausgegrabenen Landvilla heißt wie der Rotthofer Stifter des Victoriasteines oder ist er selbst.

Die im nahen Eholfing begrabene Lollia Attica stammt aus einer bekannten Salzburger Familie, von der eine Reihe von Grabsteinen erhalten sind. Allmählich verbinden Straßen die großen Verwaltungssitze Augsburg in Rätien, Salzburg, Wels und Enns in Noricum. Garnisonsorte säumen die Grenze - den Limes - an der Donau, Straubing, Künzing, Passau, Schlögen. Die Besiedelung wächst vor allem an den Flüssen, in Wernstein, Weihmörting, bei Braunau am Inn und in Eholfing, Rotthof und Asbach an der Rott.

100 n. Chr. Der älteste Ort

Ein römisches Straßendorf von 500 m Länge wurde seit 1951 an der Indlinger Straße in Pocking ausgegraben. Die Handwerkersiedlung mit zahlreichen Gewerben wie Töpferei, Glasverarbeitung, Weberei, Eisenverhüttung und -Verarbeitung versorgt offenbar die beiden Passauer Kastelle Batavis und Boiodurum.

Villa rustica

Landgut des Salzburger (Rotthofer?) L. Vedius Optatus in Kemating am Plainberg bei Salzburg (Rekonstruktion). Flora war in einer derartigen Villa rustica Verwalterin -vilica.

180 n. Chr. Wer waren Ursus und Flora Vilica?

Die Menschen, deren Grabsteine die Zeit von etwa 1800 überdauert haben, wer waren sie, wo und wie lebten sie? Ihre Berufsbezeichnung lautet vilica und actor. Beides bedeutet Vertreter (in), Verwalter (in). Waren sie Bewohner des nahen Pocking, Verwalter eines Gutshofes oder eines Landhauses im Besitz eines vornehmen Römers (9) oder arbeitete Ursus als Steuereinnehmer an der Grenze zum Illyrischen Zollbezirk. Dass sich die Familie Untersberger Marmor für ihr Grabdenkmal leisten kann, deutet sicher Wohlstand an, obwohl sie kein römisches Bürgerrecht besitzt. Dabei waren die Zeiten gar nicht so rosig. Der Weihestein des L. Vedius Optatus an die Siegesgöttin Victoria mit der Siegespalme ungefähr aus derselben Zeit deutet es an.

Fast 20 Jahre tobt ein Krieg an der mittleren Donau zwischen Römern und germanischen Völkern und blutet das Land aus. 180, ein Jahr nach Beendigung dieser Markomannenkriege stirbt der siegreiche Kaiser Mark Aurel. Die Victoria augusta ist die Statue der Siegesgöttin auf der Weltkugel (!), die Octavian, der nunmehrige Kaiser Augustus, im Jahre 29 v. Chr. nach seinem Sieg bei Actium in Rom aufgestellt hatte. Wenn der einzige namentlich genannte römische Bürger des antiken Rotthof der Victoria des Kaisers eine Stele weiht, so empfindet er das weniger als einen religiösen Akt. Er hat vielmehr den Wunsch, dass der jetzige Kaiser gegen äußere Bedrohung an den Grenzen und innere Unruhen immer siegen soll. Vielleicht will der ehemalige Soldat sich sein »Kriegerdenkmal« schaffen, oder möchte etwa der Beamte L. Vedius Optatus seine Beförderung durch diesen patriotischen Akt beschleunigen?

Die Religion der römischen Rotthofer

Die Götter, zu denen die Menschen damals beteten, waren offiziell die der römischen Religion, vielfach gleichgesetzt mit dem einheimischen keltischen Himmel. Fast ausschließlich sind die erhaltenen Götteraltäre (Wernstein, Baumgarten) und Götterfigürchen (2 Stück in Passau) Juppiter, dem obersten Reichsgott, geweiht.

Jedoch die meisten der Steine dienen dem Andenken der Verstorbenen. Auf dem Grab mit der Urne oder später dem Sarg wird eine Tafel oder wie in Rotthof eine Stele, ein Pfeiler, oder ein Altar aufgestellt. Die »Siebenschläfer« an der Außenseite der Kirche sind in Wirklichkeit Bildnisse Verstorbener, der Mann schwört gerade auf eine Buchrolle, die Frau hält eine Frucht als Zeichen der Liebe. Die Abkürzung D M für Dis Manibus soll den Grabstein den vergöttlichten Seelen (Manen) der Toten weihen.

Die äußerst seltene Form des Grabaltars der freigelassenen Sklavin Copponia, des Attianus und der Magd Donata mit einer runden Trommel lässt Vermutungen anstellen über eine Beziehung der Menschen zu einem der im römischen Reich so beliebten Kulte aus dem Osten des Reiches, der genau zur Entstehungszeit des Altars seine größte Blüte hat. Auf dreieckigen Blechtafeln, die zur Religion des Juppiter Dolichenus gehören, ist bis in Einzelheiten ein Altar in derselben Form dargestellt, wie er in Rotthof steht.

Der Baal von Doliche in Nordsyrien, machtvoll auf einem Stier stehend mit Blitz, Axt und Schwert, ein Götze, wie ihm im alten Testament auch das Volk der Israeliten immer wieder zu verfallen drohte, findet zwischen 152 und 250 als Juppiter Dolichenus weite Verehrung. Die Anhänger sind Soldaten der Garnisonsstädte besonders an den gefährdeten Militärgrenzen (z.B. in Linz-Enns, Mauer b. Amstetten, Wels), aber auch kleine Leute im zivilen Hinterland, Frauen, Sklaven, Händler und Beamte. Meist waren es Leute, die durch ihren Beruf aus ihrer Heimat herausgerissen wurden und nun einen Gott suchten, der Sinn des Lebens und Schutz über das ganze Reich hinweg verlieh. Dieser persönliche und private Gott, der auch Erhalter der Welt und Schützer des Reiches war, wurde in einem außerordentlich aufwendigen und eindrucksvollen Gottesdienst verehrt, bei dem es bereits wie im Christentum ein heiliges Mahl gab.

Er passt genau für die drei Menschen - eine Frau mit einem Licht ist wohl Copponia selbst - auf dem Rotthofer Altar und ihre Nöte und Wünsche. Eine kleine Einzelheit auf dem Florastein, ein Efeublatt, und der schriftlose Stein rechts vom Eingang deuten auf einen weiteren Kult, die Mysterien des Bacchus, Dionysos oder Liber. Seine Verehrung in geheimen Zirkeln versprach vor allem jenseitiges Leben. Eine Reihe dieser geheimnisvollen neuen Religionen mit dem Versprechen einer Erlösung und Auferstehung konkurriert in dieser Zeit unter den Menschen.

Unter ihnen wird schließlich das Christentum, das in Noricum und Rätien ziemlich lange unbekannt bleibt, sich durchsetzen und auch die Kunde von den Siebenschläfern ebenfalls aus Asien bringen.

242 n. Chr. Eine Welt geht unter

Neue Germanenscharen, nun sind es die Alemannen, dringen über die Reichsgrenze und verheeren auch das untere Rottal. Das römische Pocking versinkt (offenbar für immer) in Asche...

300 n. Chr. Ein letztes Aufflackern

Die zwei Reliefs an der Außenseite der Kirche, ursprünglich Oberteile von Grabsteinen, sind die letzten Zeugen der römisch-keltischen Bevölkerung. Sie stellen Menschen dar einer Periode, die unter den Kaisern Diokletian und Konstantin eine letzte Blüte ihres Staates erleben und in der der Übergang des Christentums von einem verfolgten Geheimkult zur Staatsreligion sich vollzieht. Nicht weit entfernt von hier in Lorch/Enns wird der ehemalige Kanzleivorstand des Statthalters von Noricum, Florian, ertränkt und klagt ein Grabstein in Wels vom Leid eines Mannes, dessen Frau Ursa, bereits eine Christin, bei der Geburt eines Kindes, stirbt.

800 Jahre Schweigen

Rotthof versinkt gegen 'Ende der Römerzeit in ein Schweigen, obwohl es fast sicher immer bewohnt war von Menschen, romanischen Kelten, die die Eroberung ihrer Heimat durch die Baiern um 530 erlebten, von den Baiern, die sich in das kultivierte Land der Römer setzten, und zu Hunderten bei Pocking und Inzing begraben liegen, dann allmählich Christen wurden. Die Quellen sprechen nicht von der Übernahme des römischen Landes durch die Herzöge und dessen Weitergabe an einen adeligen Gefolgsherrn. Wir hören nichts aus der Zeit des großen Karolinger- und des ottonischen Reichs und wir können von der Gründung der ersten Kirche als Eigenkirche eines Adeligen nur Vermutungen anstellen.

1126 Ein kinderloses Ehepaar

Der adelige Herr Meginhard von Rotehouen und seine Frau Juditta aus altem Geschlecht und mit der im Mittelalter üblichen, für uns so erstaunlichen Verwandtschaft von beinahe »europäischem« Ausmaß, hier in der Umgebung, in Oberbayern, in der Regensburger und Bamberger Gegend wie in Österreich, reich begütert, aber kinderlos, sind die ersten Rotthofer in den mittelalterlichen Urkunden. Als sie »für ihr und der Eltern Seelenheil« ihren Besitz an Gütern und Leuten in Rotthof, Birndorf, Gerau, Tröstung, Lindau, Rohr, Sembauer im Umkreis, darunter sechs Weingärten in Rotthof, dazu (u.a.) weitere Güter bei Arnstorf und in Österreich der von den verwandten Grafen von Sulzbach (Oberpfalz) gegründeten Augustinerprobstei Berchtesgaden, mehr als 100 km entfernt in den Alpen, schenken und dort im Kloster leben, löst das einen riesigen Wirbel aus.

1135-1147 Zwei Päpste gegen eine Verwandtschaft

Die riesige Erbschaft an das Kloster wollte sich aber die Verwandtschaft nicht entgehen lassen. »Mit betrügerischem Beweismittel bekämpft auf höchste« Wernhard von Julbach mit Frau und Söhnen die Propstei, die sich mit allen Mitteln wehrt. Als in einer der ersten Papsturkunden Bayerns Papst Innozenz II. den Erzbischof von Salzburg auf Trab bringt, kommt es gegen eine Entschädigung an die Julbacher zu einem ersten Vergleich um 1135. Der Tod der Stifter bot eine willkommene Gelegenheit, es noch einmal zu probieren. Wieder beschwert sich das Kloster beim Papst.

Tatsächlich verurteilt 1145 Eugen III. von Viterbo aus die Angreifer, der Erzbischof muss sie exkommunizieren, was immerhin 1147 zu einem zweiten Vergleich führt. Noch ein drittes Mal beschäftigt sich der Papst mit Rotthof, indem er nun den Frieden absegnet. Bis 1803 behielt Berchtesgaden Rotthof und die anderen Güter, richtete um 1300 sogar ein »Amt im Rottal»« ein, in dem die Vorfahren des Hl. Bruder Konrad, die Familie Birndorfer, lebten und es zu leitender Stelle als Amtmann brachten.

1188 Seelsorge

Am 14. August schenkte der Passauer Bischof Diepold, Graf von Berg, die bereits stehende Kirche in Rotthof, die offenbar vorher an einem Adeligen an Passau vermacht worden war, an das Benediktinerkloster Vornbach am Inn mit der gesamten Großpfarrei Sulzbach, ein Gebiet, das heute im Pfarrverband Ruhstorf im wesentlichen wieder vereinigt ist. Bis 1803 besorgten Patres aus dem Kloster nun die Seelsorge.

1494 Baulust und Baulist

Eine Bauwut sondersgleichen lässt rings im Land nicht nur Dome wie in Passau entstehen. Abt Leonhard Strasser von Vornbach beginnt in all seinen Seelsorgestellen z.T. riesige Neubauten im spätgotischen Stil, deren Vollendung noch seinem Nachfolger Kopfzerbrechen bereiten wird. Von Burghauser bzw. Braunauer Maurern, nicht beeinflusst von dem berühmten Hans Wechselberger, der gleichzeitig in Pocking arbeitete, wächst langsam die Kirche, angefangen mit dem Chor, »von solcher Schönheit, dass wohl kaum eine ihr ähnliche zu finden ist«. (A. Rumpier). Die Schuld am langsamen Fortgang liegt hauptsächlich am Landshuter Erbfolgekrieg. Doch obwohl Herzog Albrecht IV., um Geld für Waffen zu beschaffen, ein Bauverbot erlassen hatte, gelingt es den Rotthofern mit List und Tücke, das Gebot zu umgehen und weiter zu bauen.

1504 Die Kapelle als letzte Zuflucht

Nach dem Tod des letzten der Reichen Herzöge von Niederbayern, Georgs, dessen Ehe in der Landshuter Hochzeit so prunkvoll begonnen hatte, aber kinderlos blieb und elend endete, stritten Oberbayern und die Pfalz um das Erbe. Bei einem Feldzug der Pfälzer hatten die Menschen noch im letzten Moment ihre Habe in der neuen Kirche versperrt, sich selbst aber gerade noch in Sicherheit gebracht. Nachts erwischten die Soldaten den Mesner und alles wurde ein Opfer ihrer Habgier und Zerstörungswut.

1506 Humanistische Nostalgie

Endlich konnte vom Passauer Weihbischof Bernhard Meurl die Kapelle geweiht werden. Abt von Vornbach war inzwischen Angelus Rumpier, z.Z. der beginnenden Renaissance einer der größten Gelehrten, Geschichtsschreiber, Sammler und Dichter im bairisch-österreichischen Raum. Ihm und seinem Freund, dem großen Humanisten Konrad Celtis, ist es zu danken, dass sie als Schwärmer für das antike Römertum die römischen Denkmäler in den Neubau (wieder) einfügen ließen und vielleicht die Legende der Siebenschläfer verbreiteten.

1758 -1764 Jubelndes Rokoko

Die Vorliebe der Menschen im Barock für eine bildhaft dramatische Gestaltung des Glaubens und seine Einbeziehung in das alltägliche Leben, die ergreifend schaurige Geschichte der sieben Jünglinge und ihre Anrufung in den Nöten des Alltags, bei Schlaflosigkeit und Fieber, lässt eine Wallfahrt mit Erhörungen und Kreuzgängen aufblühen.

Eine neue Inneneinrichtung, die man sich leistet und für die der bekannteste einheimische Künstler gewonnen wird, ist das Zeichen des Aufschwungs. Und Johann Baptist Modler, der Oberpfälzer, der in Obernberg seine Frau fand, der in Kößlarn lebte und dem mit der Gestaltung des Treppenhauses und der Prunkräume in der Neuen Residenz in Passau der große Wurf gelingt, erhebt mit seinen Altären 1758 und 1763/64 Rotthof zu einem Kleinod des volkstümlichen süddeutschen Rokoko, was vor allem der Mithilfe seines begabtesten Sohnes Balthasar, eines Schülers der berühmten Johann Georg Üblhör zu verdanken ist.

1848 Der Brand von Rotthof

Ein Knabe soll am 17. Oktober Feuer in einem Gefäß auf das Feld bringen und verursacht dabei den Brand des ganzen Dorfes. Der brennende Kapellenturm beschädigt das Dach und bringt die Vorhalle zum Einsturz. Nur das Innere bleibt unbeschädigt.

Aus einem langen Schlaf des Vergessenseins und Abbröcklens erwecken die Kirche nach dem 2. Weltkrieg zwei Männer, der damalige Pfarrer von Ruhstorf, Alois Müller, der die Renovierung veranlasst und ein Orientaloge und Kenner des Islam aus Paris L. Massignon, der auf die Einmaligkeit des Patroziniums und der künstlerischen Darstellung hinwies. Am 26. Juni 1955 wird mit einer Messe für den im Krieg gegen Deutschland gefallenen Sohn des französischen Professors, von dem die erste Spende für die Wiederherstellung stammte, die Kirche im neuen Glanz wieder eröffnet, nach einer Periode irrwitzigen Völkerhasses eine erste private Initiative deutsch-französischer Verständigung an einem Ort, der von Menschen aus mehreren Jahrtausenden aus den verschiedensten Völkern bewohnt und gestaltet wurde und dessen Schutzpatrone Leitbilder in zwei unterschiedlichen Religionen darstellen.

In den Jahren 1981 und 1982 werden die gesamte Außenfassade und die durch Feuchtigkeit beschädigten Innenwände der Kirche renoviert. Dazu hat neben den kommunalen Stellen der Denkmalpflege die Pfarrgemeinde einen erheblichen Beitrag geleistet.

Zusage von Mitteln für die Sanierung

Für die Sanierung der Siebenschläferkirche in Rotthof (Landkreis Passau) hat Kunstminister Dr. Thomas Goppel 150.000 Euro aus dem Entschädigungsfonds der Denkmalpflege bewilligt. Der Entschädigungsfonds wird gemeinsam vom Freistaat Bayern und den Kommunen bereitgestellt.

Sommer 2006

500-jähriges Weihejubiläum der Siebenschläferkirche mit historischem Fest. Die Kirche ist ein "Schmuckstück" geworden und lockt Besucher aus Nah und Fern.
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Rotthof im Landkreis Passau - Januar 2014